Tieftöne Vibrationen

Tieftöne Vibrationen

edmund_jung_rechtsanwalt_laermschutzrecht

Lärm ist Schall, der als lästig empfunden wird oder zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Er betrifft viele Menschen: Ein Drittel der Bevölkerung (38%) sieht sich durch den Straßenverkehr, 27% durch den Flug- und Schienenverkehr, 12% durch das Gewerbe und 17% durch den Nachbarschaftslärm belästigt. Dies ergibt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung,(https://www.umweltbildung-berlin.de/fileadmin/img/PDF/Laerm/Laerm_und_Gesundheit.pdf.)

Laut des Umweltbundesamts fühlen sich immer mehr Bürger durch tieffrequentes Brummen, zum Beispiel verursacht durch Luftwärmepumpen, belästigt. Die Beschwerden über Tieftöne und sog. Brummtonphänomene haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, insbesondere dort, wo Menschen wohnen,
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/waermepumpen-co-tieffrequentes-brummen-belaestigt .

Die Besonderheit bei Tieftönen ist, dass sie unhörbar sind. Sie stören uns Menschen deshalb, weil die Grenzen zwischen „Hören“ und „Fühlen“ ab einer bestimmten Frequenz verwischen. Tieffrequente Schallwellen erzeugen außerhalb des menschlichen Hörbereichs wahrnehmbare Vibrationen, sog. Infraschall (Müller-Wiesenhaken/Kubicek, tieffrequenter Schall als zu bewältigender Konflikt u. a. bei der Genehmigung von Biogasanlagen und Blockheizkraftwerken in der Nachbarschaft zur Wohnbebauung, ZfBR 2011, 217, 219).
Die Tieftöne werden aufgrund der von ihnen ausgehenden erhöhten Belästigung als besonders bedrohlich empfunden. Ein Ausweichen ist kaum möglich, da sie oft im gesamten Wohnbereich auftreten.

Insbesondere stationäre gebäudetechnische Geräte wie Mini-Blockheizkraftwerke, Luftwärmepumpen, Klein-Windkraftanlagen, Heizungsanlagen, Haushaltsgeräte, aber auch Lüftungsanlagen oder Klima- und Kühlgeräte erzeugen belästigende tieffrequente Geräusche. Anders als bei Blockheizkraftwerken, die ebenso auf Wohnsiedlungen einwirken, findet bei der privaten Errichtung von stationären gebäudetechnischen Geräten keine behördliche Überprüfung statt. Dennoch müssen auch Privatleute eigenverantwortlich dafür sorgen, schädliche Umwelteinwirkungen wie Brummtöne zu verhindern bzw. zu beschränken, sofern dies nach dem Stand der Technik möglich ist.

Aufgrund des steigenden Absatzes sowie der punktuellen Verteilung der privaten Geräte (wodurch sich Geräuschquellen ungünstig überlagern können), ist insgesamt mit einem Anstieg von Belästigungen durch tieffrequente Töne in Deutschland zu rechnen, https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/170313_uba_fb_tieffrequente_geraeusche_bf.pdf.

Um gesundheitlichen Folgen vorzubeugen, ist es wichtig, frühzeitig Maßnahmen gegen Tieftöne zu ergreifen.

In Bezug auf ein Heizkraftwerk, das besonders starke Tieftöne in seiner Umgebung verursachte, hat das OLG Frankfurt mit Urteil vom 20.12.2011, Az.: 9 U 60/11, entschieden, dass dessen Betreiber dafür Sorge zu tragen hat, dass von der Anlage keine Immissionen ausgehen, die die Anwohner in unzulässiger Weise beeinträchtigen. Betreiber von beispielsweise Luftwärmepumpen und Blockheizkraftwerken sollten dies bereits im Bauantragsverfahren berücksichtigen, siehe auch unsere Seite Blockheizkraftwerke.

Weitere Informationen zu Tieftönen und deren Bemessung finden Sie unter:

 http://laerm-luftwaermepumpen.de/wp-content/uploads/2018/09/Kubicek2.pdf  https://monami.hs-mittweida.de/frontdoor/deliver/index/docId/308/file/Diplomarbeit.pdf .